KreuzzĂŒge 13.Jhd Videos


Das 13. Jahrhundert war das Jahrhundert der KreuzzĂŒge

Eine Einstimmung in das Thema zeigt dieses Video von Peter Milger. Aufgrund der problematischen TonqualitĂ€t wurde eine Transkription angefertigt und hier, unter dem Video, zum Mitlesen eingefĂŒgt.

 

Im Jahr 1187 erobert Saladin Jerusalem und verschont alle Christen. Die Kreuzzugspropaganda verleugnet diese noble Geste.

Rom: Im August 1198 ruft Papst Innozenz III. zum Kreuzzug auf. Er beginnt mit einer LĂŒge. "Nach der VerwĂŒstung der Region von Jerusalem, nach der Hinmordung des christlichen Volkes, erhebt der apostolische Stuhl seine Stimme wie eine Trompete, die Schlacht Christi zu schlagen." Die Rede ist von Jerusalem. TatsĂ€chlich dient die Schlacht Christi der Eroberung neuer LĂ€nder und Reiche.

Sechs Jahre spĂ€ter belagert ein Kreuzheer die Griechen in Konstantinopel. Der Doge von Venedig und die Barone hatten den Kreuzzug umgeleitet, aber die Griechen sind Christen! Ihre BekĂ€mpfung im Namen Gottes war nun doch etwas problematisch. Vor dem Angriff lösen Beauftragte des Papstes das Problem, indem sie die griechischen Christen zu Nicht-Christen erklĂ€ren: "Der Krieg ist rechtmĂ€ĂŸig, denn alle Griechen sind VerrĂ€ter und Mörder. Sie sind schlimmer als die Juden. Habt keine Angst die Griechen anzugreifen, denn sie sind die Feinde Gottes."

Die Kreuzfahrer erobern mordend und plĂŒndernd Konstantinopel, nachdem ihnen dafĂŒr auch noch Vergebung ihrer SĂŒnden zugedacht worden war. Die Kreuzfahrer machten das ausgeraubte und teilweise niedergebrannte Konstantinopel zur Hauptstadt eines lateinischen Kaiserreiches  - mit Billigung des Papstes. Byzanz, das christliche Ostreich, hatte seinen Glanz fĂŒr immer verloren. Der Vorwand fĂŒr die Enteignung aller Griechen war die Untat eines Einzelnen: Kaiser Dukas hatte seinen VorgĂ€nger ermordet. Die Vertreter des Papstes hatten darauf erklĂ€rt, alle Griechen seien Ketzer. "Wer einen solchen Mord begeht, hat kein Recht auf Landbesitz. Auch haben sich die Griechen der AutoritĂ€t Roms entzogen, daher ist der Krieg legal und gerecht. Wenn ihr das Land erobert und es der AutoritĂ€t Roms unterwerft, erlangt ihr die Vergebung der SĂŒnden." 

Milger: Die Kreuzfahrer unterwegs vor Jerusalem nahmen den Christen alles: ihre  Reliquien, ihr Gold, ihre HĂ€user, ihre Frauen, ihr Reich. Das war kirchenrechtlich verboten, denn die Griechen waren Christen. Also erklĂ€rt ein Vertreter des Papstes: "Die Griechen sind schlimmer als die Juden." Diese Methode der Enteignung der Rechte sollte Schule machen. Der Kreuzzug kam nur bis Konstantinopel. Gepredigt aber wird weiter die Befreiung Jerusalems.

Im Juni 1212 erscheint eine Schar junger Hirten vor Saint Denis. Stephan, ihr AnfĂŒhrer, hat ein Schreiben an den französischen König bei sich, das zur Befreiung Jerusalems auffordert und von Gott stammen soll. Der Papst hatte angeordnet, stĂ€ndig das Kreuz zu predigen und jeden Monat wird BittgĂ€nge fĂŒr die Befreiung Jerusalems zu veranstalten. Die Folge war eine schwĂ€rmerische Kreuzzugsstimmung, die die GlĂ€ubigen der Kirche nĂ€her brachte und auch Kinder ergriff. Im Jahr 1212 ziehen in der Umgebung von Paris und Köln Scharen von Kindern und Erwachsenen umher und beten fĂŒr die Wiedergewinnung der Kreuzreliquie. Es gab allerdings noch keine unbeschwerte Kindheit.
Der Kölner Chronist notiert: "Einige verließen die PflĂŒge oder Wagen die sie fĂŒhrten oder das Vieh, das sie hĂŒteten."
Ein französischer Chronist: "Sie trugen Fahnen, Kerzen und Kreuze und riefen Gott erhöhe die Christenheit. Gibt uns das wahre Kreuz zurĂŒck."
Ein Chronist aus Lyon meldet: "Die Kinder seien auf Anweisung des Königs nach hause zurĂŒckgekehrt." Ein anderer teilt mit, sie hĂ€tten gehungert. SpĂ€tere Chronisten behaupten, tausende von Kindern seien nach Marseille gezogen - die Stadt Chroniken in SĂŒdfrankreich erwĂ€hnen diesen Zug allerdings nicht. Der Chronist Alberich, der kein Augenzeuge war, erzĂ€hlt: "Zwei Kaufleute erklĂ€rten sich in Marseille bereit, die Kinder unentgeltlich nach PalĂ€stina zu bringen. Zwei Schiffe versanken bei Sardinien, fĂŒnf fuhren nach Algerien und Ägypten, wo die Kinder als Sklaven verkauft wurden."

Dass in Marseille gelegentlich Kinder als Sklaven nach Afrika verfrachtet wurden ist durchaus wahrscheinlich. Ein Kinderkreuzzug nach Marseille ist dagegen nicht ausreichend belegt. Die KinderumzĂŒge in Frankreich haben offenbar die Fantasie der Chronisten angeregt. Das traurige Schicksal der als Sklaven verbrachten Kinder diente der Ermahnung fĂŒr die Erwachsenen, selbst das Kreuz zu nehmen. In Alexandria soll ein Kalif - laut Alberich - allein 400 Kleriker, davon 80 Priester gekauft haben, also offensichtlich keine Kinder. Diese und andere WidersprĂŒche machen den Bericht Alberichs unglaubhaft. Der französische Kinderkreuzzug mit seinem schrecklichen Ausgang ist wahrscheinlich eine Legende.  

Besser belegt ist ein deutscher Volkskreuzzug, der von einem jungen Kölner namens Nikolaus inspiriert sein soll.
Der Kölner Chronist: "In diesem Jahr bezeichneten sich aus ganz Frankreich und Deutschland Knaben verschiedenen Alters und Standes mit dem Kreuz. Nach ihrem Beispiel nahmen viele JĂŒnglinge und Frauen das Kreuz und verlangt hin zu ziehen. Auch einige schlechte Menschen mischten sich unter sie um sie zu bestehlen. Einer der Diebe wurde in Köln ergriffen und seines Lebens durch den Strang beraubt." Die Kinder hatten offenbar ein KreuzzugsgelĂŒbde abgelegt. Der Chronist: "Sie erklĂ€rten, es sei ihnen von Gott aufgetragen, zur UnterstĂŒtzung des Heiligen Landes nach Jerusalem zu ziehen." 

Die Kreuzpredigt hatte also tatsĂ€chlich die Massen in Bewegung gesetzt. Der deutsche Volkskreuzzug wird auch von italienischen Chronisten gemeldet: "Es beteiligten sich MĂ€nner und Frauen, Knaben und MĂ€dchen, und sogar SĂ€uglinge an den BrĂŒsten ihrer MĂŒtter." Der Kölner Chronist: "Es gingen viele in WĂ€ldern und Einöden durch Hitze, Hunger und Durst zugrunde. Andere wurden in Italien von den Langobarden beraubt und zurĂŒckgejagt und kehrten mit Schande heim."

Die Kreuzfahrer zogen nach SĂŒden, da der Landweg im Osten nicht mehr in Frage kam. Die Kreuzfahrer hofften in dem italienischen HĂ€fen Schiffe vorzufinden, Gott oder Papst wĂŒrden schon dafĂŒr sorgen. Sie hofften vergeblich und auch das Meer tat sich nicht auf, wie ihnen gepredigt worden war. Der Kölner Chronist: "Ihr Ende hĂ€lt man fĂŒr ungewiss. Nur dann steht fest, dass von vielen tausenden, die hinaus zogen, kaum einige wenige heimgekehrt sind." Einige junge Pilger wurden von genuesischen BĂŒrgern aufgenommen. Die anderen zogen weiter, verachtet von denen, die sie vorher gefeiert hatten. Und die MĂ€dchen, wie nun keine Jungfrauen mehr waren, wurden von den BĂŒrgern verspottet. 

Milger: Papst Innozenz benutzt die Kreuzzugsidee, um die GlĂ€ubigen an die Kirche zu binden, um Geld abzuschöpfen. Die Vergebung der SĂŒnden wird nun auch fĂŒr die finanzielle UnterstĂŒtzung eines Kreuzzugs gewĂ€hrt. In den Kirchen werden Opferstöcke  aufgestellt. Papst Innozenz: "Unser tĂ€glich Bitten soll stĂ€ndig in den Kirchen gepflegt werden." Wir erheben unsere Stimme die christlichen Völker aufzustacheln." Und auch das wird so gemacht. Die Aufforderung, fĂŒr eine gute Sache Geld und Leben zu opfern.  

Der Papst redet weiter von Jerusalem, wendet aber seine Aufmerksamkeit zunĂ€chst im SĂŒden Frankreichs zu. Im Jahr 1209 erobert ein Kreuzzugsheer die christliche Stadt Carcarsonne im Longedoc. FĂŒr die Kirche ist Karkasonne soll ein Bollwerk der HĂ€resie. Der Kreuzzug richtet sich nicht nur gegen die von Rom abgefallene Kirche der Katharer. Der Papst hatte den Adel des SĂŒdens beschuldigt, die HĂ€retiker toleriert zu haben. Wer Ketzer duldete war selbst ein Ketzer und verlor seinen Besitz. Die Enteignung und Unterwerfung der Grafschaften von Toulouse und Karkasonne wurde zum eigentlichen Ziel der KreuzzĂŒge im SĂŒden Frankreichs. Papst Innozenz verspricht den Kreuzfahrern die Vergebung der SĂŒnden und das Land der Verketzerten. "Jagt sie aus den Zelten des Herrn. Nehmt ihre LĂ€ndereien, damit katholische Einwohner die vernichteten HĂ€retiker ersetzen können." 

Im Juli 1209 steht das Kreuzheer vor der reichen Stadt Beziere. Der offizielle Chronist der Kirche beschreibt den Verlauf der Enteignungen: "Sobald sie in die Stadt gedrungen waren, metzelten sie fast die gesamte Bevölkerung nieder, groß und klein."
Der Chronist der Kirche: "Diese widerlichen Hunde wurde mit Fug und Recht in der Kirche, die sie mit dem Blut ihres Bischofes besudelt hatten und niedergemetzelt - mehr als 7000 von ihnen." Papst Innozenz hatte das Feindbild verschĂ€rft: "Widmet euch der Vernichtung der HĂ€resie mit allen Mitteln, die Gott euch eingibt. Seid gewissenhafter als bei den Sarazenen, denn sie sind gefĂ€hrlicher." Die Opfer in Beziere waren indessen ĂŒberwiegend kirchentreue Christen.

Im Juli 1210 steht ein Kreuzheer vor Minerva. Der Krieg gegen die Barone des Languedoc wird mehr und mehr ein Kolonialkrieg. Immer wieder folgen neue Scharen von Rittern und Kriegsknechten aus ganz Europa den Aufrufen zum Kreuzzug. Mitte Juli erobern die Kreuzfahrer Minerva.
Der Chronist der Kirche: "Das Kreuz wurde vorangetragen, es folgten die Banner des Grafen Monfore. Alle sangen das Gott wir loben dich und begaben sich zur Kirche. Christus hatte die Stadt erobert."
180 Katharer werden hier auf dem Scheiterhaufen verbrannt, Frauen und MĂ€nner und so geht es weiter. Jahrzehntelang wird das Longedoc durch Krieg verwĂŒstet, werden StĂ€dte ausgeplĂŒndert, ihre Bewohner massakriert. WĂ€hrend die Scheiterhaufen brennen, beziehen die Barone des Nordens die eroberten StĂ€dte und Burgen. 

Mit dem Friedensvertrag von Meaux verliert das Languedoc formal seine SelbstĂ€ndigkeit. Aber es dauert noch 20 Jahre, bis die Krone den SĂŒden Frankreich vollstĂ€ndig unterworfen hat.

Zu den KreuzzĂŒgen kommt ein weiteres Gewaltmittel: die Inquisition. Am Ende geben auch die Bewohner der Stadt Toulouse ihren Widerstand auf. Eine Stadtchronik meldet lapidar: "Vergessen wir nicht, dass die Inquisition zur gleichen Zeit mit Ă€ußerster HĂ€rte zuschlug."

Um 1230 wurde durch PĂ€pstlichen Erlass die Inquisition eingefĂŒhrt um AbtrĂŒnnige entweder zu bekehren oder dem Scheiterhaufen zu ĂŒberantworten. Das Verfahren war formalisiert, wertete aber das Abstreiten der Ketzerei selbst als Ketzerei. Tribunal, Kirche und Feudalherren teilten sich den Besitz der Verurteilten. Das war ein Anreiz. Als die Folter hinzukommt, bedeutet die Anlage praktisch den Schuldspruch. Es entsteht ein Klima der Angst und Denunziation. 

Milger: Papst Innozenz stirbt, das Kreuz wird weiter gepredigt, aber niemand zieht nach Jerusalem. Erst 1221 findet ein Kreuzzug statt. Die Nachfolger Saladins bieten Jerusalem an, aber die Kreuzfahrer wollen Ägypten erobern und werden besiegt. 1229 gewinnt Kaiser Friedrich II  Jerusalem durch Verhandlungen zurĂŒck, gegen den Willen von Papst Gregor IX.

Kaiser Friedrich II. hatte sich bei seinem Kreuzzug nur auf die Truppen des deutschen Ordens verlassen können. Nach der Abreise Friedrichs kann sich der deutsche Orden in PalĂ€stina nicht weiter entfalten. Der Friedensvertrag mit den Muslims, der den Besitz Jerusalems garantiert, verbietet expansive militĂ€rische Operationen. Ein Waffengang mit den Nachfolgern Saladins war auch nicht ratsam, weil die Muslims gelernt hatten, es mit den christlichen Rittern aufzunehmen. Die militante Christenheit sieht sich nach schwĂ€cheren Gegnern um.  

Schon vor seinem Kreuzzug nach PalĂ€stina hatte Friedrich in Rimini vorgesorgt. in der Goldbulle von Rimini bereitet Friedrich die Ausbreitung des Ordens an der Ostgrenze des deutschen Königreichs vor. In der Tradition der KreuzzĂŒge spricht Friedrich nicht von der Ausbreitung weltlicher Herrschaft, er spricht von der Ausbreitung des Glaubens. "Gott hat das Heilige Römische Reich zur Predigt des Evangeliums geschaffen damit wir nicht weniger die Unterwerfung und Bekehrung der Heiden bewirken. FĂŒr die Unterwerfung barbarischer Völker und die Verbesserung des Gottesdienstes sollen rechtglĂ€ubige MĂ€nner Besitz und Leben unablĂ€ssig einsetzen."

1230 dringen Ordensritter und Kreuzfahrer bis zur Weichsel vor und errichten erste StĂŒtzpunkte. Papst Gregor hatte den Kreuzzug geben die nichtchristlichen Preußen predigen lassen und dem SĂŒndenablass gewĂ€hrt. Ein Chronist des Ordens Peter von Dusko beschreibt einen Kreuzzug: "Das Schwerts der christlichen Ritter verschlang das Fleisch der UnglĂ€ubigen. So wurde ein großes Blutbad unter dem Volk der Poßen angerichtet und an diesem Tag fielen 5000. Darauf kehrten die Kreuzfahrer freudig Heim und lobten die Gnade des Erlösers."

Thorn wird die erste Stadt des Ordensstaates. Den Unterworfenen bleibt nur die Alternative: Vertreibung oder Taufe. Die neuen Herren bestimmen: "Wer die Taufe nicht empfÀngt wird enteignet und soll nackt, nur mit einem Gewand bekleidet aus den Grenzen der Christen herausgetrieben werden." Die eroberten Gebiete werden durch Burgen gesichert, da die Vorbesitzer sich mehrfach gegen die Ordensherren erheben. Bei AufstÀnden oder zur Ausweitung der Kolonie ergingen an die 80 Kreuzzugsaufrufe. Wer das Kreuz nahm, oder einen Söldner finanzierte, wurde den Jerusalempilgern gleichgestellt.

Die Besitznahme erfolgte im Namen Gottes. Kaiser Friedrich hatte den Orden aufgefordert "Standhaft in das Preußenland einzudringen und es zum Ruhme und zur Ehre unseres wahren Gottes in Besitz zu nehmen." - Sie nahmen es in Besitz, unerbittlich, verwaltungstechnisch brillant und durchaus fĂ€hig, sich kulturelle DenkmĂ€ler setzen zu lassen. Der deutsche Ordensstaat war straff organisiert und unterhielt ein stehendes Heer und eine eigene Flotte und er verfĂŒgte ĂŒber effiziente Handels.- und Finanzabteilungen. Es handelte sich um eine sehr irdische Kolonialmacht. Aber es geschah im Namen Gottes, im Auftrag des Kaisers und des Papstes. Die Kreuzfahrer und Ordensherren fĂŒhlten sich bei der Landnahme im Recht und die Geschichtsschreibung fĂŒhrt bald einen neuen Rechtstitel ein: das Verdienst, die Zivilisation ausgebreitet zu haben. Den getöteten und vertriebenen Vorbesitzern wurde sie abgesprochen - eine Geisteshaltung, die Bestand haben wird.

Es gab fĂŒr die Ordensherren nur eine Kultur, die Eigene und die musste spĂ€ter, als dann doch Zweifel aufkamen, zur Rechtfertigung der kolonialen Expansion herhalten. Die Kolonialisatoren wollten keine normalen Eroberer sein; sie beriefen sich auf den Auftrag, die Welt vom Unglauben zu erlösen. Die so genannten Heiden hielten ihr Land zu unrecht besetzt es waren keine Geschöpfe Gottes, sondern Feinde Gottes. Die Welt gehört den guten Christen.  

Milger: Wenn das Kreuz gepredigt wird, ist noch immer von Jerusalem die Rede. TatsÀchlich sind die Kreuzrittersysteme die lÀngste Ausbreitung christlich römischer Herrschaft. Beim Machtkampf zwischen Kaiser und Papst wird die Kreuzzugsidee als politische Waffe benutzt. Die Anwendungsbereiche der Kreuzzugsidee wird stÀndig erweitert.

Kaiser Friedrich II. kĂŒmmert sich auch um die Ausbreitung des Reiches nach innen. Er ruft zur BekĂ€mpfung politisch religiöser Gegenbewegungen auf: "Wir bestraften Katarer, Katharener, Speronisten, Leonisten,  Arnadisten, Beschnittene und alle HĂ€retiker mit andauernden Verlust der Rechte und bannen sie." Friedrich sieht die Ketzerverfolgung im Zusammenhang mit der Kreuzzugsidee. 1224 erklĂ€rt Kaiser Friedrich in Kathania: "WĂ€hrend die Fluten der wahren Lehre zu fremden Völkern geleitet werden, wird eine nahe Provinz von den verlogenen Erfindungen der Feinde befleckt." Nach der Untersuchung durch die Kirche sollen die Ketzer laut Friedrich "aufgrund unserer Machtvollkommenheit durch das Urteil des Feuers verbrannt werden." Die Verurteilung bedeutet gleichzeitig Enteignung. Friedrich bestimmt: "Die GĂŒter dieser Leute sollen fĂŒr immer eingezogen werden, sodass die Kinder sie nicht beerben können." 

In Deutschland wirkt Konrad von Marburg als Inquisitor der Kirche.
Der Kölner Chronist meldet: "Wegen wahrer oder erdichteter Ketzereien wurden viele Edle und Geistliche, Mönche, Nonnen, BĂŒrger und Bauern von einem Bruder Konrad zum Feuertod verurteilt - nach allzu voreiligem Spruch, wenn es erlaubt ist. Am gleichen Tag, da jemand angeklagt wurde, erhielt er auch Seine Verurteilung und den Tod in den grausamen Flammen, ohne Berufung oder irgendeine Verteidigung."  

Ende Juli 1233 wird bei Marburg der Kreuzprediger und Inquisitor fĂŒr Deutschland, umgebracht. Konrad von Marburg hatte hunderte den Scheiterhaufen ĂŒberantwortet und lud schließlich den mĂ€chtigen Grafen von Sayn vor das Tribunal. Damit war der Ketzerrichter Konrad zu weit gegangen. Er wurde hier erschlagen, wahrscheinlich von AnhĂ€ngen des Grafen. Im Landfrieden von Frankfurt versucht der Sohn Friedrichs, König Heinrich, die Rechtlichkeit des Verfahrens herzustellen. Er gebetet den Gerichten: "Die Gerechtigkeit ungerechter Verfolgung vorzuziehen." Es war vergeblich. 

Milger: Friedrich hatte selbst die Urteile der Tribunale fĂŒr unwiderruflich erklĂ€rt. Zitat: "Jede Kunst der Anrufung nehmen wir den HĂ€retikern ihren BeschĂŒtzern und BegĂŒnstigern." Jahrhundertelang wĂŒrde die Inquisition abweichendes Denken, abweichenden Glauben, abweichendes Verhalten mit dem Tode ahnden. Verketzert werden nicht nur Individuen, sondern auch religiöse Bewegungen und aufstĂ€ndische von Bauern. 

Der Schauplatz mehrerer KurzzĂŒge in Norddeutschland ist das Siedlungsgebiet der stedinger Bauern, westlich von Bremen. Die Kölner Chronik berichtet: "Die stedischen Völker, die an der Grenze von Friesland und Sachsen lebten, waren von unwegsamen FlĂŒssen und SĂŒmpfen umgeben. Das Bremer Erzbistum hatte in den unbewohnten Bruch.- und Moorlandschaften Bauern angesiedelt. Um das Land fruchtbar zu machen, mussten vor allem Deiche gebaut werden, da das Hochwasser der Nordsee bis in den Unterlauf der Weser eindringt. Um Anreize fĂŒr die mĂŒhsame Urbarmachung zu schaffen, waren die Höfe vererbbar und die Abgaben beschrĂ€nkten sich auf den Kirchenzehnten der ErtrĂ€ge.

Die GewĂ€hrung von Steuernachlass und Freiheitsrechten fĂŒr die Urbarmachung von Ödland illustriert dieses zeitgenössische Rechtsbuch.

Als der Fleiß der Stedinger FrĂŒchte zu tragen beginnt, wĂ€chst die Begehrlichkeit der benachbarten Feudalherren. Sie bauen Burgen an den Grenzen, deren Besatzungen Abgaben erheben und den Frauen der Bauern nachstellen. Die Stedinger sahen sich als freie Bauern und schritten gemeinsam zur Verteidigung ihres Landes. 

Als Schwurbruderschaft militÀrisch organisiert, gelang den Bauern die Zerstörung der Zwingburgen. Der Erfolg stÀrkte ihr Selbstbewusstsein und sie verweigerten nun auch die Zahlung des Kirchenzehnten.
Ende 1229 lĂ€sst der Erzbischof von Bremen ein Ritterheer in das Gebiet der Stedinger einrĂŒcken. Die Bauern besiegen die gepanzerten Reiter und zerstören die Burg SchlĂŒtterberg. Anschließend ĂŒberfallen die Bauern das Kloster Hude, weil die Mönche ihr Land beanspruchen. Den Kirchenbann fĂŒrchten die AufstĂ€ndischen schon lĂ€ngst nicht mehr. Die Kölner Chronik: "Nachdem sie wegen ihrer Frevel und ihrer Zehntenverweigerung seit vielen Jahren gebannt waren, wurden sie als VerĂ€chter der SchlĂŒsselgewalt der Kirche betrachtet." Nun machen sich die KĂ€tzerverfolger des Dominikanerordens ans Werk. Auf einer Synode im MĂ€rz 1231 werden die Stedinger Bauern kollektiv zu KĂ€tzern erklĂ€rt, damit sind sie rechtlos. Der Erzbischof Gerhard II. verliest das Urteil: "Es ist offensichtlich, dass die Stedinger den SchlĂŒssel der Kirche und die Sakramente völlig verachten, die lehre der Kirche fĂŒr Tand halten, dass sie Geistliche jeder Regel und jeden Ordens anfallen, dass sie Klöster und Kirchen durch Raub und Brand verwĂŒsten und dass sie ohne Scheu SchwĂŒre brechen." Weiter verurteilt der Erzbischof die Stedinger wegen Hostiensfrevels, wegen Wahrsagerei und der Anfertigung von Götzenbildern. Es handelt sich um den ĂŒblichen Katalog der Anschuldigungen. Beweise, Verteidiger und eine Berufung gibt es nicht. Ein Jahr spĂ€ter lĂ€sst Papst Gregor das Kreuz gegen die Stedinger predigen. 

Im Sommer 1233 dringt ein Kreuzheer auf das Gebiet der Stedinger vor. Die sÀchische Weltchronik notiert: "Sie branntschatzten das Land und erschlugen mehr als 400 MÀnner, Frauen und Kinder." Der zugesagte irdische und himmlische Lohn hatte bewaffnete aus halb Deutschland angelockt, aber die Stedinger Bauern können das Kreuzheer im Juli beim HÀmelskamper Walde besiegen und in die Flucht schlagen.
Papst Gregor hatte den Kreuzfahrern die Privilegien der Jerusalempilger zugesagt. Ihre Niederlage könnte als Gottesurteil gelten. Besorgt entsendet der Papst einen Legaten, der zwischen den Parteien vermitteln soll. Der Legat kommt zu spÀt.
Im Mai 1234 dringt ein weiteres Kreuzheer in Stedingen rein - zwischen fĂŒnf.- und zehntausend Bewaffnete aus Holland, Flandern und Deutschland. Es gelingt den Kreuzfahrern mit Hilfe von SchiffsbrĂŒcken, BrĂŒckenköpfe zu errichten. Auf dem Deichen stehen Kleriker, um die Moral der Truppe durch ChorĂ€le zu stĂ€rken.
Die Bauern sind zahlenmĂ€ĂŸig unterlegen und schlechter bewaffnet. Der Abt des Klosters von Stade notiert: "So stark kam die Hand des Herren ĂŒber sie, das in kurzer Zeit von ihnen sechstausend zugrunde gingen. Die meisten kamen auf der Flucht in einer Grube und in der Weser um."  

Die besiegten Stedinger waren rechtlos - die Sieger konnten nach Belieben plĂŒndern und töten. Papst Gregor hatte in seinem Aufruf erklĂ€rt: "Wer das Kreuz fĂŒr die Ausmerzung der Ketzer angenommen hat, soll sich des Ablasses erfreuen, der fĂŒr die UnterstĂŒtzung des heiligen Landes gewĂ€hrt wird. Die Verderbten sollen EntschĂ€digungen leisten." Die  AufstĂ€ndischen werden also im Namen Gottes ausgemerzt und enteignet. Das Land, dass die Stedinger Bauern urbar gemacht hatten, wird neu besiedelt. Das Problem der Steuererhebung ist geregelt. 

Nach der Reformation werden die Ereignisse hier neu bewertet. Das Denkmal trĂ€gt die Inschrift: "Am 27. Mai 1234 unterlag dem mĂ€chtigen Feinde der tapfere Volk." Die Toten sollen sich unter der heutigen Gemeinde Sankt Gallus Kirche befinden. Als der Papst den Bann ĂŒber sie aufhebt, ist von Aberglauben und Götzendienst keine Rede mehr. Die Anklage lautet nur auf Ungehorsam und AufsĂ€ssigkeit. Verketzerung und Kreuzzug dienten zur Niederschlagung eines Bauern-Aufstandes. 

Milger: FĂŒr die KreuzzĂŒge zur Ă€ußeren und inneren Kolonisierung wĂ€hrend Privilegien gewĂ€hrt, wie sonst nur fĂŒr bewaffnete Jerusalem Pilger gelten. Dabei befindet sich Jerusalem, seit der Intervention Kaiser Friedrichs, in christlicher Hand. 1244 dann wird Jerusalem von marodierenden Söldnern gebranntschatzt und kurz darauf ĂŒbernehmen die Nachfolger Saladins wieder die Herrschaft. Das Abendland reagiert gelassen. 

Es war eine gewisse Gewöhnung eingetreten. Aufrufe zum Kreuzzug gegen jedwede Feinde der Kirche, Kreuzpredigten, Spendenaufrufe und Kreuzzugssteuern gehörten zum Alltag. Die Vergebung der SĂŒnden wurde auch fĂŒr die finanzielle Förderung eines Kreuzzuges erteilt. Bald war der Ablassbrief und die Vermeidung des Fegefeuers auch umstandslos fĂŒr Bargeld erhĂ€ltlich, eine Praxis die schließlich zur Auslösung der Reformation beitrug. 

Ende 1244 nimmt der französische König Ludwig IX., der spĂ€tere Heilige, das Kreuz (angekĂŒndigte Pilgerschaft). Die Chronisten berichten, Ludwig habe das Kreuz nach der Genesung von einer schweren Krankheit genommen. Der König hat es nach der frommen Geste mit seiner Pilgerschaft nicht eilig. Auch die Nachrichten ĂŒber den Fall Jerusalems hindern ihn nicht daran, sich zunĂ€chst um sein irdisches Heil zu kĂŒmmern. König Ludwig verschiebt die Abreise und vollendet zunĂ€chst die Unterwerfung der Grafschaft Toulouse und der Provence. Gleichzeitig erhebt er einen Kreuzzugszehnten, lĂ€sst eine Flotte anmieten und lĂ€sst Egmourde als StĂŒtzpunkt ausbauen. Vor allem die StĂ€dte und der Klerus mĂŒssen Sonderabgaben in der mehrfachen Höhe des königlichen Jahresetats aufbringen.

Dankbar gedenken die BĂŒrger von Egmourde ihres königlichen Förderers und eine Tafel erinnert an die Losung des ersten Kreuzzuges: "Dieu le veut - Gott will es!" 

Im August 1248 bricht König Ludwig zum Kreuzzug auf. Zusammen mit seiner Frau auf und einem großen Teil des französischen Hochadels. Das Kreuzheer, mehr als 10.000 Ritter und ArmbrustschĂŒtzen, landet auf dem Weg nach Ägypten zunĂ€chst auf Zypern. Auf Zypern berĂ€t sich König Ludwig mit den aus Ackern angereisten FĂŒhrern des Kreuzfahrerstaates. Den Vorschlag, mit dem Sultan von Kairo zu verhandeln, lehnt Ludwig ab. Die Muslime sind als Feinde Gottes zu behandeln und das Ziel bleibt die Eroberung Ägyptens.
Ende Mai setzt das Kreuzheer nach Ägypten ĂŒber. Die Ägypter rĂ€umen ihre zweitgrĂ¶ĂŸte Hafenstadt kampflos. Ein Chronist sieht darin ein Wunder, eines der vielen, die dem König nachgesagt werden. Sehr freigiebig ist der zukĂŒnftige Heilige nicht. Er weigert sich die Beute mit den Kreuzfahrern zu teilen. Der Chronist Jeanne-Vielle: "Die Leute waren vom König enttĂ€uscht, weil er diesen guten alten Brauch missachtet hatte." 

Die große Moschee in Damietta wird in eine Kirche verwandelt. Nach einer Messe zu Ehre der Jungfrau Maria wendet sich der König profanen Angelegenheiten zu: Die Kirche wird Sitz eines Erzbischofs und das noch nicht eroberte Land wird als Lehen vergeben. Ludwig sieht in Ägypten eine Grafschaft der Krone - niemand spricht von Jerusalem. Wenig heiligmĂ€ssig geht es im Lager zu, Geanvielle klagt: "Die Barone verzehrten bei Gelagen Unmengen von Speisen und die Ärmeren trösteten sich bei den Dirnen."
Im November dringt das Kreuzheer Nil aufwĂ€rts vor, das Ziel ist Kairo. Beim Vormarsch lassen die Ritter kein Erbarmen walten. Ein christlicher Augenzeuge: "Die Kreuzfahrer schonten weder MĂ€nner noch Frauen noch Kinder, weder alte noch junge, auch wenn sie um Gnade flehten."  

In Mansura wendet sich das Blatt. 300 Kreuzfahrer werden in den Gassen niedergemacht, darunter fast alle Tempelritter und ein Bruder des Königs. Auch in der folgenden Schlacht kann König Ludwig kein Wunder vollbringen. Obwohl er mit seinem deutschen Schwert eigenhĂ€ndig gewĂŒtet haben soll, behalten die Muslims die Oberhand. Ein Augenzeuge: "Im ganzen christlichen Heer gab es niemanden, der nicht den Tod eines Freundes beklagen musste." Hunger und Skorbut stellen sich ein. Im ganzen Lager hört man das Schreien der Sterbenden - von Kairo ist keine Rede mehr. Das Kolonialreich am Nil ist in weite Ferne gerĂŒckt. Der König hat versĂ€umt, sich rechtzeitig abzusetzen und gerĂ€t mit den ĂŒberlebenden Kreuzfahrern hier in Gefangenschaft.

Nach Jeanville enthaupten die Sieger einige Kreuzfahrer, aber die Mehrzahl wird verschont. Ludwig erkrankt. "Der König fiel mehrfach in Ohnmacht und wegen der Ruhr suchte er stÀndig den Abort auf. Dabei mussten sie ihm den unteren Teil seiner Hosen abschneiden." Die Niederlage ist vollstÀndig. Der kranke König wird nach Mansura gebracht.
WĂ€hrend seiner Gefangenschaft in Mansura mit Ludwig von muslimischen Ärzten geheilt. Die Ägypter erinnern hier mit einigem Stolz an den hochrangigen Gefangenen, der ausgezogen war, ihr Land in Besitz zu nehmen. Bei den Verhandlungen sagt König Ludwig fĂŒr die Freilassung aller Gefangenen 500.000 Lire zu, etwa das Steueraufkommen von zwei Jahren. FĂŒr sich selbst bietet er die Stadt Damietta zum Austausch an, da er nicht mit Geld  aufgewogen werden will. Der Sultan erlĂ€sst ein fĂŒnftel der Summe, weil der König nicht gefeilscht hat. Nach der Unterzeichnung des Vertrages kann der König das GefĂ€ngnis verlassen.

Damietta wird an die Ägypter zurĂŒckgegeben. Der König reist unter Mitnahme seiner Wertsachen nach Akkon ab. Die königliche Kasse ist nach der Zahlung der ersten Rate des Lösegeldes leer. Die Templer hat nur unwillig einen Beitrag geleistet. Jeanvielle erklĂ€rt das Fiasko mit den SĂŒnden der Kreuzfahrer: "Das kam, weil wir Gott, den Erlöser, vergessen hatten." 

König Ludwig bleibt in PalĂ€stina und lĂ€sst die den Kreuzfahrerstaat verbliebenen KĂŒstenstĂ€dte befestigen. Ein Vorstoß auf das verarmte und teilweise zerstörte Jerusalem unternimmt er nicht. Der Sultan von Damaskus bietet sogar sicheres Geleit nach Jerusalem an, aber der zukĂŒnftige Heilige verzichtet auf die ErfĂŒllung seiner Pilgerschaft.
Vier Jahre lang widmet sich der König dem Ausbau der Festungsanlagen.
1254 geht ihm das Geld aus und er tritt die Heimreise. Der Entschluss Jerusalem zu meiden, war folgerichtig. Zur BegrĂŒndung weiterer KreuzzĂŒge taugt es nur, solange es nicht erobert ist.  

Milger: Im Jahr 1270 stirbt der König bei einem weiteren Kreuzzug zur Eroberung Nordafrikas und Ägyptens in einem Lager vor Tunis. 1291 erobern die Truppen des Marmeluken-Sultans Beibath das christliche Akkon. Der Kreuzfahrerstaat in PalĂ€stina existiert nicht mehr.

 

 

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